Prof. Dr. Holger J. Podlech: Main-Campus und die Folgen

Prof. Dr. Holger J. Podlech war in der zweiten Main-Campus-Generation Stipendiat der Educator-Förderlinie. Dem Stipendiatenwerk und der Stiftung Polytechnische Gesellschaft ist der Physiker, der an der Goethe-Universität Frankfurt lehrt und forscht, bis heute eng verbunden.

"Im Rahmen des Main-Campus-educatoren-Stipendiatenwerks wird man auf eine Führungsposition in der Wissenschaft vorbereitet", führt Prof. Podlech aus. "Das Programm war von einer Reihe äußerst hilfreicher Softskill-Seminaren wie etwa Mitarbeiterführung, Forschungsmanagement, Wissenschaftsförderung oder Öffentlichkeitsarbeit begleitet, von denen ich bis heute in meiner täglichen Arbeit sehr profitiere."

Der 49-jährige Podlech wirkt an der Goethe-Universität in der Angewandten Physik. Sein Fachgebiet sind Teilchenbeschleuniger, die ihre Anwendung unter anderem in der Krebsforschung oder der Beseitigung von Atommüll finden. Mehrere Arbeitsgruppen befassen sich an der Goethe-Universität am Campus Riedberg mit den Teilchenbeschleunigern - stets mit dem Ziel, möglichst effizient zu beschleunigen.

In seiner Position als geschäftsführender Direktor des Instituts für Angewandte Physik besteht der Arbeitsalltag des Professors lediglich zu weniger als zehn Prozent aus Forschungsaufgaben. Den Großteil der Zeit nehmen administrative Aufgaben und Managementtätigkeiten in Anspruch, laut Podlech "deutlich über 50 Prozent". Die übrige Zeit beanspruchen die Lehre und Reisen.

"Meine Arbeitsgruppe umfasst 35 Personen", erzählt Podlech. "Dementsprechend bedarf es viel Management und einer gewissen Struktur. Wenn ich da einfach jeden sich selbst überlassen sitzen und tun lasse, was er will, würde das irgendwann zu einer Verselbstständigung führen und im Chaos enden. Ich selbst kann keine 35 Leute betreuen, das ist schlicht unmöglich. Deshalb habe ich verschiedene Subgruppen eingeführt, jeweils mit einem Gruppenleiter."

Mitarbeiterführung als nötiges Gut

Das Etablieren von Strukturen ist eins - mit Kollegen und Partnern eine zufriedenstellende, vertrauensvolle Basis für ein kollegiales Miteinander etablieren das Andere: "Ein Seminar im Educatoren-Programm war 'Mitarbeiterführung. Das hat mir besonders zum damaligen Zeitpunkt sehr geholfen, da ich tatsächlich mit einigen Mitarbeitern im Institut Probleme hatte. Dadurch konnten die Konflikte erheblich besser gelöst werden.“ Ein weiteres Seminar, das Podlech hervorhebt, ist das Seminar „Verhandeln“: „Das war ebenfalls Gold wert. Man verhandelt eigentlich permanent. Wenn ich mit einem Geldgeber rede, ist das verhandeln. Wenn ich mit Kooperationspartnern rede, wie das Geld verteilt werden soll oder was erforscht werden sollen, ebenfalls. Für meine gesamte Tätigkeit hat mir das Programm sehr geholfen."

Und auch die monetäre Unterstützung, die es für die Postdoktoranden während des Stipendiums gibt, hat zur Entlastung beigetragen: "Es gab für zwei Jahre 400 Euro monatlich, das hat schon geholfen. Dass man dadurch mehr Zeit hatte, war allerdings leider nicht der Fall, ich war aufgrund des Stipendiums nicht häufiger zuhause", lacht der jung gebliebene Professor mit dem dunklen Pferdeschwanz und dem Nasenpiercing.

Bis heute hat Podlech, der in der Auswahljury des Main-Campus-Stipendiatenwerks sitzt und beim Kolleg für junge Talente mitwirkt, nur Lob für das Programm über: "Jedes Seminar hatte eine fantastische Qualität, es gab keinen Ausreißer. Ganz besonders gut gefallen hat mir die Vielseitigkeit, es wurde und wird sehr viel Wert gelegt auf Interdisziplinarität, auch im Begleitprogramm. Die Stiftung fördert mit Main-Campus nicht nur die Menschen, die hervorragende Leistungen in ihrem Fach bringen, sondern auch die Vielseitigkeit.“